MacDuff, John R. - Der Bogen in den Wolken - 1ter Tag - Der Allmacht Walten.

Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken.

Der Herr ist König.
Ps. 93, 1.

Siehe da, ein Bogen der Verheißung! wie lieblich durchbrechen seine Strahlen den dunklen Tag, der mit Wolken bedeckt ist!

Gott mein Gott der Gott, welcher mir Jesum schenkte, ordnet und leitet alle Dinge zu meinem Besten. Wenn es kommt, spricht Er, dass ich Wolken über die Erde führe. Er hat keinen Gefallen daran, dass Er seine Hand berge, die den Glanz der Erde eine Weile in Dunkel hüllt - Er ist allewege Derselbe, ist der, welcher die Wolken herführt, uns in sie hineinbringt und gnädig hindurchleitet. Das Los wird geworfen in den Schoß, aber es fällt, wie der Herr will. Wir sind Werkzeuge seines Willens, aber, Heil uns! es ist Gottes Wille. Er legt die Last auf, Er lässt sie liegen, so lange es Ihm gefällt, und Er nimmt sie ab zu seiner Zeit.

Hüten wir uns nur vor dem Brüten über Allem, was Nebenursachen heißt. Es ist Gottesleugnerei in der schlimmsten Gestalt! Ist unser Lieblingskürbis verdorrt und die Blume, die unsern Busen schmückt, hingewelkt, so muss jeglichem Nachsinnen Einhalt getan werden durch die Überzeugung: „Der Herr erschuf den Wurm.“1). Wird der Tempel der Seele vom Blitzstrahl getroffen, und brechen entzwei seine Pfeiler so ertönt's: der Herr ist in seinem heiligen Tempel! Von einem blinden Schicksal, von einem Ungefähr oder Zufall weiß des Christen Glaube nichts. Sein Lebensschifflein ist niemals ohne Steuermann, nie dem Spiel des Sturmes, nie den Launen der Wogen Preis gegeben. Die Stimme des Herrn geht auf den Wassern!2) Für Alles, was ihn trifft, hat der Christ nur eine Deutung, nur einen Trost: Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, Du wirst es wohl machen.3)

Bei Allem aber, was uns begegnet, glaubt der Mensch nirgend so sehr ein Spiel der Laune und des Zufalls zu erblicken, als bei dem Eintritt des Todes. Und doch ist auch diese Meinung nichts, als ein großer Irrtum. Denn sind nicht auch die Schlüssel des Todes 1) in der Hand des nämlichen Gottes, der da Alles in Allem regiert? Blicken wir nur in das Gleichnis vom Feigenbaum. 2) Mögen die Engel im Himmel miteinander handeln über seine Rettung oder seine Verfluchung das steht fest, die Axt kann nicht an die Wurzel gelegt werden bis der Herr die Vollmacht dazu gegeben. Ist's aber also mit diesem, um wie viel mehr wird's sich gleichermaßen halten mit jeglichem Baume der Gerechtigkeit und mit jeder Pflanze des Herrn! Es wird Derselbe wachen dar über, dass Niemand ihr schaden kann. Auch das zarteste Fäserchen, das in ihr zittert, nimmt Er in seine Obhut, und muss es endlich, seiner Natur nach, dem unvermeidlichen Schlage erliegen wer weiß solches Alles nicht, dass des Herrn Hand das gemacht hat?4)

Mir gebührt es, meinen Willen in seinen Willen zu versenken nicht aber seine Wege zu meistern oder darauf auszugehen, dass auch nur ein Tüttelchen an seinem Willen geändert werde und mir gebührt's, dass ich selber willenlos mich in seine Hand lege und ebenso fügsam den bitteren, wie den süßen Kelch annehme; weiß ich ja, dass derselbe mir von Einem ausgeschenkt wird, der mich liebt und der mir niemals Gift statt Arznei hineintun wird.

Kein Wunder, dass der herrliche Psalmist Israels das Staunen einer ganzen Welt über dem zarten Farbenspiel dieses Bogens des Trostes, der am düstern Himmel aufgespannt in dem einen Worte zusammenfasste: Erde, sei fröhlich, und man sage, dass der Herr regiert!5)

Und wenn es kommt, dass ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken6).

1)
Jon. 4, 6.
2)
Ps. 29,3
3)
Ps. 30,10
4)
Hiob 12, 9.
5)
1. Chron. 16,31
6)
1 Mos. 9, 14,